13. Juli 2016

Sönnern will nicht den Schwarzen Peter haben

Leserbrief zum Artikel vom 9. Juli "Das Ende eines wichtigen Meilensteins" über das Aus des Logistikzentrums in Sönnern:

So einfach geht das nicht! Was Politik und Wirtschaftsförderung seit mehr als 35 Jahren versäumt haben, dafür soll Sönnern nun gerade stehen. Da ist es natürlich ein Leichtes, die letztendliche Entscheidung der Unternehmensgruppe, den Standort Werl zu verlassen, einem kleinen Dorf, wie Sönnern anzuschulden.

Den Schwarzen Peter lassen wir uns nicht zuschieben! Bereits vor ca. 35 Jahren haben sich die Sönneraner massiv gegen die Ausweisung eines Bebauungsplanes mit Ansiedlung von Gewerbe auf gleichem Areal stark gemacht. Als Entscheidung wurde die weitere Bearbeitung ruhend gestellt. Seit nunmehr 35 Jahren haben die Stadt Werl sowie die GWS die Möglichkeit gehabt, daran zu arbeiten. Zusätzlich, seit dieser Zeit, hat die Stadt Werl einen erheblichen Zuwachs an Gewerbeflächen (KonWerl-Gelände) zu verbuchen gehabt. Was wurde daraus gemacht?

Wir haben heute einen enormen Flächenverbrauch mit keinerlei Steuereinnahmen, dank der Ansiedlung von A.T.U. Wäre es nicht Aufgabe des Rates der Stadt Werl gewesen, verantwortungsvoll mit dem Verbrauch eben dieser Flächen umzugehen. Wurde eine solche Ansiedlung ausreichend geprüft?

Wären die Stadtväter in der Vergangenheit verantwortungsvoller und überlegter an die Vermarktung der Flächen herangegangen, statt diese wertvollen Flächen schnellstmöglich zu verschleudern, stünden sie heute nicht vor der Misere, kein adäquates Areal anbieten zu können.

Möglichkeiten, die Ansiedlung kleinerer und mittelständiger Unternehmen attraktiv zu gestalten sowie deren Verbleib am Standort Werl zu sichern, ist Aufgabe der Werler Politik!

Als Resultat bleibt mir nur zu sagen, dass die Politik in Werl ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Auch muss mit Bedauern bestätigt werden, dass jeglicher Dialog mit der Stadtverwaltung einseitig aus den Reihen der Sönneraner kam. Nach mehrfacher Anfrage bei der Stadtverwaltung liegt bis heute nicht das zugesagte Protokoll von der Bürgerversammlung vom 14.11.2015 vor, ebenso wurden die Einwände mit Stichtag 23.12.2015 noch nicht bearbeitet. Wie kann da ein Vertrauensverhältnis zu unseren gewählten politischen Vertretern aufrechterhalten werden? Als Bürger fühlen wir uns von der Stadt Werl im Stich gelassen.

Wie bereits in der Bürgerversammlung von November 2015 sowie in verschiedenen schriftlich formulierten Einwänden gefordert, muss diese Fläche weiterhin als Teil des Schutzgürtels um Sönnern bestehen bleiben. Auch bei der Idee, einem anderen Logistiker diese Fläche "schmackhaft" zu machen, wird es erneut harte Proteste aus Sönnern geben.

Dorothe Kühlmann-Rakers
Werl-Sönnern


12. Juli 2016

Viel Platz in Rhynern für Werler Unternehmen

Die noch freie Fläche in Rhynern ist fast 61 000 Quadratmeter groß und ist im Bebauungsplan bereits fest als Gewerbefläche verankert. Theoretisch kann sie sofort bebaut werden. Das plant ein Quartett an Werler Firmen, das sich eine große Lagerhalle teilt. Ursprünglich sollte die Logistik-Halle am Rande des Ortsteils Sönnern gebaut werden (wie berichtet).

Viel Platz in Rhynern für Werler Unternehmen - Foto: Blossey

Doch die Unternehmen erteilten der Stadt Werl eine Absage. Der Firmenverbund will sich nun auf der Fläche neben dem Hellweg-Logistikzentrum in Rhynern ansiedeln. Unterschriften aber unter Verträgen gibt es in Hamm noch nicht. Im Gegensatz zu Sönnern scheint die noch freie Fläche in Rhynern für die Unternehmen perfekt zu sein. Sie ist fast 61 000 Quadratmeter groß, sie ist im Bebauungsplan bereits fest als Gewerbefläche verankert und kann theoretisch morgen bebaut werden. Bei der Größe des Grundstücks könnte das Hochregallager samt Verwaltungsgebäude bis zu 30000 Quadratmeter groß werden. Die Wirtschaftsförderung Hamm hätte damit, abgesehen von zwei kleinen Restflächen, das gesamte einst für Tedi vorgesehene Gebiet im südlichen Gewerbepark von Rhynern vermarktet. - jb/Foto: Blossey


9. Juli 2016

Firmenverbund verlässt Werl

Logistikzentrum wird nun doch nicht bei Sönnern gebaut, sondern wohl in Rhynern

Von Gerald Bus

SÖNNERN - Ein Firmenverbund kehrt Werl den Rücken: Das neue Logistikzentrum, das am Ortsrand von Sönnern entstehen sollte und gegen das es massive Proteste aus dem Ortsteil gab, wird nun doch nicht in Werl gebaut. Nach wochenlangem Ringen der Verwaltung, die über 100 Arbeitsplätze in Werl zu halten, folgte gestern das endgültige Aus. Den Firmenverbund zieht es nach Rhynern (Artikel im Hammer Anzeiger).

Dort bestätigt die Wirtschaftsförderungen Verhandlungen. Unterschrieben sei aber noch nichts. Das Quartett Reality-Import GmbH, Nino-Leuchten GmbH, Spiegelprofi GmbH und LaWi-Logistik GmbH wollte auf einer 48 000 Quadratmeter großen Fläche zwischen dem Kettler-Werk und Sönnern ein Hochregallager mit Lager und Büroräumen bauen. Bislang vertreiben die Firmen Möbel, Spiegel und Innenleuchten im KonWerl-Gebiet in einem Mietobjekt. Seit Bekanntwerden der Baupläne in Werl im Juni 2015 gab es Widrigkeiten. Die summierten sich – und führten nun zur Aufgabe. Es seien aus Sicht der Unternehmen Umstände eingetreten, die eine rasche Umsetzung des Neubauprojekts "deutlich erschweren", sie gar "wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll" erscheinen lassen, teilt Werls Wirtschaftförderer Ulrich Canisius auf Anfrage mit. Die Entscheidung der Firmen sei zwar nachzuvollziehen. "Aber sie tut uns wirklich sehr, sehr weh." Der Verlust wiege schwer, nicht nur wegen der Arbeitsplätze. Auch die Gewerbesteuer wird künftig in eine andere Stadt fließen. In Rhynern steht ein rund 60 000 Quadratmeter großes Areal zur Verfügung.

Man habe intensiv um den Verbleib gekämpft, sagt Canisius. Trotz Planungswidrigkeiten hatten sich die Unternehmen zuletzt zwar bereit erklärt, Umplanungen vorzunehmen. Allerdings gab es aus Sönnern erheblichen Widerstand, der in einer Klagedrohung mündete. Die Investoren fürchteten eine "betrieblich nicht vertretbare Zeitverzögerung". Weitere Probleme wie die Unsicherheiten beim Weiterbau des Hanserings, der noch lange auf sich warten lassen wird, kamen hinzu. Zudem ist auf dem Areal bei Sönnern eine spätere Erweiterung kaum möglich; das Handelsunternehmen aber expandiert, hat zuletzt mehrere zusätzliche Flächen in Werl angemietet. "Leider mussten wir diese Entscheidung aus betrieblichen Gründen treffen, da angesichts der zu erwartenden zeitlichen Verzögerungen unsere notwendige bauliche Expansion nicht im gewünschten Zeitfenster realisierbar ist", sagt Geschäftsführer Roland Nowaczek. 

Das Aus für das Logistikzentrum Sönnern

Das Ende eines "wichtigen Meilensteins"

Firmen bedauern Rückzug: "Wir wären gern am Standort Werl geblieben"
Verwaltung rang wochenlang um Verbleib

Von Gerald Bus

SÖNNERN - Dass die Ansiedlung auf der Kippe stand, dazu mehrten sich in den vergangenen Wochen die Signale. Hinter den Kulissen wurde bis zuletzt gerungen, um das Logistikzentrum bei Sönnern doch noch zu retten, die Unternehmen bei der Stange zu halten. Vergebens. Seit gestern ist das Buch zu. Es bleibt das Bedauern des Firmenverbunds: "Wir wären gern am Standort Werl geblieben."

Zwischen Kettler (unten) und Sönnern sollte das Logistikzentrum entstehen. Nun geben die Firmen den Standort auf. - Foto: Blossey

Die Geschäftsführer von Nino-Leuchten GmbH, Reality Import GmbH, Spiegelprofi GmbH und LaWi Logistik GmbH zollen der Werler Wirtschaftsförderung Respekt. Man habe sich "hier sehr wohl und durch die GWS stets sehr gut und mit viel Engagement unterstützt gefühlt", lässt Geschäftsführer Roland Nowaczek wissen. Dass zwei Beteiligte aus der Unternehmensführung in Werl wohnen, war lange Zeit ein "Heimvorteil". Nun nicht mehr. Der Standort im Kreuzungsbereich Hansering/Am Maifeld/Antoniusstraße ist aus dem Rennen, die als sicher geltende Ansiedlung, für die es in der Werler Politik eine breite Mehrheit gab, Geschichte.

Zurück bleibt ein Werler Wirtschaftsförderer, für den das Aus eine Niederlage ist. "Wir haben alle Anstrengungen unternommen, um die Ansiedlung erfolgreich umzusetzen", sagt GWS-Geschäftsführer Ulrich Canisius. "Aber leider führen nun von uns nicht beeinflussbare Rahmenbedingungen dazu, dass die Unternehmen das begonnene Planverfahren nicht weiter fortsetzen". Dabei habe sich das Firmenquartett "ordentlich bewegt", vieles für den Standort Werl in die Waagschale geworfen. Unter anderem war man bereit, die Zufahrt zu verlegen und über die Trasse zu führen, über die einst der Hansering verlängert werden soll – gebaut vom Investor auf eigene Kosten.

Selbst am Donnerstagabend gab es so noch die Hoffnung, dass es doch reichen könnte. Vergebens. Ein Baustein, der zum Aus führte: der anhaltende Protest in Sönnern. Man werde künftig auf "eine Wand" zufahren, sagte Ortsvorsteher Willi-Bernd Sudhoff Anfang April. Er verwies auf etliche Einwände gegen den Bau. Die Gegner hatten einen Rechtsanwalt eingeschaltet und eine Klage "nicht ausgeschlossen". Da gingen die Sönneraner noch von einem "schweren Kampf" aus, auch wenn der Fachanwalt Ansatzpunkte für einen Erfolg sehe. Zugleich wurde stets die "fehlende Gesprächsbereitschaft" der Stadtverwaltung mit den Bürgern kritisiert.

Zuletzt war auch in Sönnern irritiert zur Kenntnis genommen worden, dass zwei Termine im Planungsausschuss zur Abwägung der Einwendungen platzten. Im April fiel der Ausschuss aus, Ende Juni war das Thema nicht auf der Tagesordnung. Was Fragen aufwarf. Schnell wurde gemunkelt: Es läuft nicht alles glatt.

Da wurde bei der Verwaltung hinter den Kulissen schon intensiv darum gerungen, die Investoren doch noch vom Standort Werl zu überzeugen. Denn die Verwaltung sah alle vorgebrachten Bedenken als nicht so existenziell an, als dass sie das Bauvorhaben gefährden könnten. Die Verwaltung hatte von Anfang an eine zustimmende Haltung zum Bau. Wirtschaftsförderer Canisius hatte nach Abschluss der Grundstücksverhandlungen von einem "wichtigen Meilenstein in der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Werl" gesprochen. 13 Monate später ist das Makulatur.

KOMMENTAR

Wirtschaft in Werl 
Bitterer Beigeschmack

Von Gerald Bus Anzeiger-Redakteur Gerald BusIn Sönnern werden viele Bürger aufatmen: Der Kampf gegen das ungeliebte Logistikzentrum vor der eigenen Haustür hat sich aus ihrer Sicht gelohnt, der Spuk ist vorbei. Es ist nicht zu kritisieren, dass sich Bürger wehren, wenn sie ihre Interessen und ihr Lebensumfeld bedroht sehen. Aber es ist ein Erfolg mit ganz bitterem Beigeschmack. Nun zieht es den Firmenverbund in eine andere Stadt. Rhynern soll es sein – ein Empfang mit offenen Armen. Ob das wirklich das ist, was die Bürger in Sönnern wollten? Wahrscheinlich bleibt bei manchem das flaue Gefühl: So weit hatte es dann doch nicht kommen sollen. Ist es aber.

Für Werl ist es nach dem politischen Stabilo-Desaster ein weiteres schlechtes Signal über die Ortsgrenzen hinaus, dass in Werl für Unternehmen schwer Geld zu machen ist. Unternehmen, denen Steine in den Weg gelegt werden, sind heutzutage ganz schnell woanders. Ortsbindung ist was für Romantiker. Das muss einem nicht gefallen, zumal sich auch Städte und Bürger eben nicht alles gefallen lassen müssen. Aber Werl steht im rauen Wettbewerb mit Kommunen, die sich nur allzu gern mit Unternehmerfreundlichkeit brüsten und dazu die Möglichkeiten haben. Werl hat diese Flächen-Möglichkeiten nicht. Und die perfide Argumentation der Nachbarstädte, allen voran Hamm, gegen das Factory Outlet Center zeigen, wie Wirtschaftpolitik gemacht wird: mit knallharten Bandagen. Der Freitag gestern, er war für den Wirtschaftsstandort Werl ein schwarzer. 

Der Ursprung der Planungen

Im Juni 2015 wurden die Planungen bekannt: Die Unternehmen Nino-Leuchten, Reality Import, Spiegelprofi und LaWi Logistik wollen ein Logistikzentrum im Kreuzungsbereich Hansering/Am Maifeld/Antoniusstraße bauen. Bislang vertreiben sie Möbel, Spiegel und Innenleuchten im KonWerl-Gebiet in einem Mietobjekt. An der Hafervöhde arbeiten rund 100 Mitarbeiter, eine leichte Aufstockung war beim Neubau angekündigt.

Da klar war, dass die gemieteten Hallen im Norden auf mittlere Sicht für die Unternehmensentwicklung nicht ausreichen würden, machten sich die Unternehmen 2011, wenige Jahre nach dem Start, mit der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Werl (GWS) auf die Suche nach Grundstücksflächen, um am Standort Werl den Bau eines neuen Betriebsgebäudes zu ermöglichen. Mehrere Flächen wurden geprüft, dann eine gefunden: im Kreuzungsbereich Hansering/Antoniusstraße bei Sönnern. Der Firmenverbund sicherte sich die Grundstücksflächen. Im Flächennutzungsplan ist das Areal als gewerbliche Fläche ausgewiesen. Eine Fläche mit Geschichte: Bereits Mitte der 70er-Jahre war für dieses Gebiet ein Bebauungsplan aufgestellt worden. Auch damals gab es gegen die Ansiedlung von Gewerbe Protest. Der Plan erlangte nie Rechtskraft und wurde ruhend gestellt.

Schon im Sommer 2015 war es der GWS vor allem darum gegangen, das "gut expandierende Handelsunternehmen" (GWS-Chef Ulrich Canisius) in Werl zu halten. Denn schon damals gab es bei den Firmen Überlegungen einer Verlagerung an einen anderen Standort. Damals wurde das abgewendet. "Die waren schonmal so gut wie weg", sagt Canisius. Jetzt kehrt der Firmenverbund Werl doch den Rücken.- bus

Sönneraner Widerstand

In Sönnern wuchs schnell Widerstand, nachdem der Ort aus dem Anzeiger von den Planungen erfahren hatte; 374 Unterschriften wurden gesammelt, ein Protestplakat aufgehängt, selbst die Gründung einer Bürgerinitiative überlegt. Die Befürchtung: Der Bau könne die erträglichen Dimensionen sprengen. Dem Ort drohe eine "Kessellage". Ortsvorsteher Sudhoff formulierte das so: "Das trifft das Dorf und seine Bewohner ins Mark." Der Komplex schiebe sich wie ein Riegel vor den Ort, der natürliche Schutzgürtel werde zerstört. Einwendungen gab es wegen Flächenverbrauch, Artenschutz, Wertminderung der Grundstücke, Nachteile fürs Dorfbild oder Lärm. Kritisiert wurde zudem, dass Abstands-Vorgaben verletzt würden; Der Abstand der 9,60 Meter hohen Halle zum ersten Wohnhaus in Sönnern beträgt 170 Meter. NRW sieht für Speditionen einen Mindestabstand von 300 Metern zwischen Plangebiet und Wohnbebauung vor. Eine Einzelfallprüfung lässt eine Abweichung zu; davon wollte die Stadt Gebrauch machen, sah auch keine Bedenken beim Lärm. - bus


2. April 2016

Sönnern kämpft mit Anwalt-Hilfe

SÖNNERN - Das Dorf Sönnern bedient sich beim Kampf gegen ein neues Logistikzentrum am Ortsrand anwaltlicher Hilfe. Man schließe auch eine Klage gegen das Vorhaben nicht aus, sagte gestern Ortsvorsteher Willi-Bernd Sudhoff. Zunächst warte man in Sönnern nun aber gespannt auf den Planungsausschuss am 26. April.

Widerstand in Sönnern dauert an

Anwalt sieht erfolgversprechende Ansätze

Von Gerald Bus

WERL/SÖNNERN - Die Einwände sind die eine Seite, die "eine Wand" die andere: Auf die fahre man künftig zu auf dem Weg aus Sönnern, sagt Ortsvorsteher Willi-Bernd Sudhoff. Im Ortsteil sei der Widerstand gegen das geplante Logistikzentrum am Ortsrand ungebrochen. Etliche Einwände habe man eingereicht. Und damit man nicht "gegen die Wand" läuft, hat Sönnern mittlerweile einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Eine spätere Klage sei "nicht ausgeschlossen".

Der Anwalt sehe durchaus Ansatzpunkte im "schweren Kampf" gegen das Vorhaben, sagt der Ortsvorsteher - und der Jurist habe das auch per Stellungnahme an die Stadt kund getan. Die Bürger unterstützen die Einschaltung des juristischen Beistands: "Wir haben dafür im Dorf gesammelt", sagt Sudhoff. Denn ein Anwalt ist teuer. Aber die Bürger seien bereit, das Geld dafür aufzubringen.

Nach wie vor treffe man sich in der Arbeitsgruppe, um das Vorgehen zu besprechen. Sudhoff spart aber nicht mit Kritik und bemängelt "fehlende Gesprächsbereitschaft" der Stadtverwaltung mit den Bürgern vor Ort. "Man spricht nicht mit uns. Wenn, dann müssen immer wir aktiv werden."

Die Verwaltung plant, am 26. April im Planungsausschuss die Abwägung der Einwendungen vorzulegen. Daran arbeite man zurzeit, sagt Stadtplaner Ludger Pöpsel. Bislang sehe man die Bedenken nicht als so existenziell an, dass sie das Bauvorhaben gefährden könnten. Es werde aber wohl "Anpassungen im Detail" geben.

Demnach bleibt die Verwaltung bei ihrer zustimmenden Haltung zum Bau; im Juni waren die Planungen dazu bekannt geworden. Demnach wollen die Unternehmen Nino-Leuchten, Reality Import, Spiegelprofi und LaWi Logistik ein Logistikzentrum im Kreuzungsbereich Hansering/Am Maifeld/Antoniusstraße bauen. Bislang vertreiben sie Möbel, Spiegel und Innenleuchten im KonWerl-Gebiet in einem Mietobjekt, haben rund 100 Mitarbeiter. Auf der 50 000 Quadratmeter großen Fläche bei Sönnern, im Flächennutzungsplan als gewerbliche Fläche ausgewiesen, soll ein Hochregallager entstehen.

In Sönnern wuchs schnell Widerstand; 374 Unterschriften wurden gesammelt. Einwendungen gab es wegen Flächenverbrauch, Artenschutz, Wertminderung der Grundstücke, Nachteile fürs Dorfbild oder Lärm. Andere Bewohner fürchten, "eingekesselt" zu werden. Kritisiert wird zudem, dass Abstands-Vorgaben verletzt würden; Der Abstand der 9,60 Meter hohen Halle zum ersten Wohnhaus in Sönnern beträgt 170 Meter. NRW sieht für Speditionen einen Mindestabstand von 300 Metern zwischen Plangebiet und Wohnbebauung vor. Eine Einzelfallprüfung lässt aber eine Abweichung zu; davon machte die Stadt Gebrauch. Von der Lärmbelastung her sei die Ansiedlung hier möglich.

Die Politik stimmt im November mit breiter Mehrheit für ein Einleitung des Planverfahrens. Zudem gab es Änderungen bei der geplanten und kritisierten Führung des Lieferverkehrs. Demnach sollen maximal 60 Lkw am Tag das Lager doch nicht über die Antoniusstraße anfahren, sondern über eine Trasse, über die in Zukunft der Hansering verlängert werden soll - gebaut vom Investor auf eigene Kosten.


10. März 2016

Hansering: Entwicklung freut die BI-Sprecher

Koppelung ist "richtig und sachlogisch"

WERL - Die Nachricht, dass die Arnsberger Bezirksregierung den Weiterbau des Hanserings in Werl an den Weiterbau der Autobahn 445 koppeln will, sorgt für unterschiedliche Reaktionen. Nachdem sich Bürgermeister Michael Grossmann und der SPD-Vorsitzende Hans Jürgen Stache ebenso irritiert wie verärgert geäußert hatten, meldet sich nun die Bürgerinitiative gegen den Bau der A 445 zu Wort.

Deren Sprecher Wolf-Dieter Windgassen und Ludger Palz begrüßen die Ankündigung, den Hansering vorerst auf Eis legen zu wollen. Dies sei "richtig und sachlogisch". Würde die Straße gebaut, würde dies "ganz schnell die Rufer aktivieren, die dann den Bau der A 445 fordern, weil ja jetzt der Hansering realisiert sei", heißt es in einer Erklärung. "Zudem würden die zusätzlichen Ampeln den Verkehr auf der B 63 künstlich ins Stocken bringen - noch ein vermeintliches Argument für den umgehenden Bau der A 445. Man kennt ja die gleiche Diskussion aus dem Bereich der B 63 in Hilbeck, wo durch vier Ampeln in sehr kurzer Folge Staus provoziert werden", heißt es weiter.

"Angenommen, der Hansering würde jetzt gebaut und die A 445 erst in zehn Jahren, entstünden zusätzliche Baukosten, um die A 445 dort anzuschließen", schreiben Windgassen und Palz.

Die Stadt Werl erhoffe sich durch den Weiterbau des Hanserings "einzig die weitere Entwicklung von Industrieflächen für Logistikunternehmen, die wiederum weiteren Pkw-Verkehr (und wenige Arbeitsplätze) in die Region bringen". - di