Autobahn A445

Jaja, die Autobahn. Nützlich ist sie ja, "gute Verkehrsanbindung Sönnerns" nennt man das. Praktisch, wenn man schnell in die weite Welt möchte, und immer ein Pluspunkt bei Immobilien. Aber wer möchte schon gerne vom Gartenstuhl aus bequem eine Verkehrszählung auf der Autobahn durchführen können, weil sie direkt hinter dem Gartenzaun verläuft? Da schlagen schon mal die Wogen hoch, wenn darüber berichtet und diskutiert wird. Pro und Contra...


 


13. Juni 2017 A 445:

CDU will Lärmschutz auch für den Werler Westen

Eifler: Das außen vor zu lassen wäre "nicht gerecht"
FOC als zusätzliche Lärmquelle

Von Gerald Bus

Die A 445 trennt den Werler Westen (links) und den Ortsteil Büderich (rechts). Sie endet heute auf Höhe von Budberg. - Luftbild Blossey

WERL - Das Stöhnen über das Dröhnen der Autobahn beschränkt sich nicht auf Budberg oder den Werler Süden. Auch im Werler Westen gibt es schon lange Klagen über die als zu laut empfundene A 445. Diese Klagen greift die CDU nun auf – und fordert, im Zuge des Deckblattverfahrens zum Weiterbau der A445 den Aspekt "Lärmschutz für den Werler Westen" mit aufzunehmen.

Man solle und müsse schließlich alle Bürger gleich behandeln, sagt Fraktionsvorsitzender Klaus Eifler auf Anfrage. Aufgrund baurechtlicher Vorgaben habe Budberg Anspruch auf passive Lärmschutzmaßnahmen, vor allem im Wohngebiet Ostvöhde (wie berichtet). Aber auch der Werler Westen um die Bereiche Westenfeld seien vom Lärm der Autobahn betroffen. "Die Entfernung der Wohnbebauung in diesem Bereich ist jedoch nicht weiter von der Trasse entfernt, als dies in Budberg der Fall ist", schreibt die CDU in einem Antrag für die kommende Ratssitzung (Mittwoch, 21. Juni, 18 Uhr im Rathaus). Und das, ergänzte Eifler gestern auf Anfrage, sei "nicht gerecht". Das Glück für Budberg in der Lärmschutzfrage: Der Ortsteil liegt soeben noch im Einzugsbereich des Neubaus der A445 - anders als der Werler Westen. Da die Baugebiete dort nicht im Planungsgebiet liegen, ist zusätzlicher Lärmschutz nicht vorgesehen, obwohl es von dort stets Klagen über den Autobahnlärm gibt.

Die CDU greift diesen Aspekt auf und will Abhilfe schaffen. Daher solle die Verwaltung diese Anregung mit aufnehmen in ihre Stellungnahme zum Weiterbau der A445. Dabei geht es entweder um aktiven Lärmschutz, heißt den Bau einer Lärmschutzwand, um den Werler Westen vom Lärm abzuschirmen – oder aber um passiven Lärmschutz durch Einzelmaßnahmen an den betroffenen Häusern, so wie es in Budberg geplant ist. Als "Hinweis" wolle man das verstanden wissen, sagt Eifler.

"Wahrscheinlichkeit des FOC sehr hoch"

Die CDU begründet die Forderung auch mit "zukünftig zu erwartenden Lärmfaktoren", die bislang nicht berücksichtigt worden seien:

  • Der Bau eines Factory Outlet Centers (FOC) im Bereich der Autobahnabfahrt "A445 Werl Zentrum", durch das rund drei Millionen Besucher mehr im Jahr nach Werl kommen würden. Zwar könne zurzeit niemand sicher sagen, ob das FOC kommt. Aber die Wahrscheinlichkeit bezeichnet die CDU als "sehr hoch". Der Ankauf der benötigten Flächen durch den Investor sei abgeschlossen.
  • der Ausbau umliegender Gewerbebetriebe wie KonWerl oder auch in Bönen und Rhynern, der "unweigerlich auch eine Zunahme des Verkehrsaufkommens auf der A 445" zur Folge haben werde.
  • die Verkehrszunahme aufgrund der Überlastung der heutigen Strecken, zum Beispiel auf der A 1. Der Verkehr werde ausweichen, wenn die A445 fertig gestellt und der Lückenschluss zwischen Werl und Hamm erfolgt ist, so die CDU.

"Vor dem Hintergrund dieser zusätzlichen Faktoren sollte zusätzlich geprüft werden, ob die Zunahme des Lärms nicht auch einen aktiven Lärmschutz für den Trassenverlauf erforderlich macht", schreibt die CDU in ihrem Antrag. 


9. Juni 2017

"Vogelschutz vor Menschenschutz"

Budberger und Hilbecker diskutierten über die Weiterführung der A 445

Von Max Zienau

HILBECK - Die Weiterführung der A445 bereitet Anliegern in Budberg und Hilbeck Kopfschmerzen. Während die Budberger sich gegen den mangelnden Lärmschutz auflehnen, verlangen viele Hilbecker, dass die neu geplante Trasse auf ihre ursprünglich angedachte Linie zurückverlegt wird. Der aktuell geplante Verlauf würde zu nah an Hilbeck vorbeiführen.

Die Ortsvorsteher Budbergs und Hilbecks haben am Mittwoch zum Bürgergespräch geladen, um mit Anwohnern und Gästen aus der Politik über den Ausbau der Trasse zu sprechen.

"Die jetzige Situation geht gar nicht", sagt der Hilbecker Ortsvorsteher Karl-Wilhelm Westervoß. "Die stellen den Vogelschutz vor Menschenschutz". Zum Gesprächsabend kamen neben den beiden Ortsvorstehern auch der Landtagsabgeordnete Heinrich Frieling, der Bundestagskandidat der CDU, Hans-Jürgen Thies, Werls stellvertretende Bürgermeisterin Beate Kohlmann und Hubertus Wulf von der CDU.

Nach einer kurzen Präsentation, in der Westervoß den ursprünglichen Trassenverlauf der A445 und die Nachteile der neuen Trasse erläuterte, entstand eine lebhafte Diskussion. "Wir wollen die Autobahn", darin waren sich die Teilnehmer einig. Doch die neue Trasse, die bis auf 100 Meter an den Norden Hilbecks heranreichen soll, stieß bei den meisten Anwesenden auf Ablehnung. Die dazu geplante Lärmschutzwand, die mit 825 Metern Länge die Anwohner schützen soll, geriet heftig in die Kritik. Detmar Dißelhoff fragte, ob die Lärmbelästigung durch die alte Trasse ohne Lärmschutz höher sei. Die neue habe immerhin die Lärmschutzwand.

Pfarrer Martin Frederking berichtete von seinen Erfahrungen, die er in Rhynern mit solchen Wänden gemacht habe: Zwar sei es direkt hinter der Mauer leise, doch dafür würde der Autobahnlärm dann in der Dorfmitte deutlich zu hören sein, da die Wand nur den unmittelbaren Bereich hinter ihr schützen würde. "Setzen sie sich mal in Rhynern ans Pfarrhaus, da müssen sie schon laut sprechen, um sich zu unterhalten."

Ein weiterer Anwohner schlug vor, das Geld, das mit der alten Trasse gespart werden würde, in Lärmschutzmaßnahmen wie Flüsterasphalt zu investieren. Doch die Vertreter der Politik erwiderten, dass Flüsterasphalt viel teurer und weniger langlebig sei.

Ein Anwohner forderte unter Applaus: "An die Politik: Macht voran!" Mehrere Anlieger der B63 waren ebenfalls anwesend und berichteten von den Zuständen an der überlasteten Straße. "Wir können nachts nicht die Fenster zur Straße öffnen, weil die Lkw so laut sind", erzählte eine. Schon deswegen sei die Entlastung durch eine Autobahn unverzichtbar.

Martin Frieling betonte, in dieser Sache ganz auf der Seite der Anwohner zu sein und gab den Rat, sich per Eingabe an dem Entscheidungsprozess zu beteiligen und sich Gehör zu verschaffen. Er selbst werde alles Gehörte mitnehmen und über Lösungen nachdenken. Auch CDU-Bundestagskandidat Hans-Jürgen Thies, der sich verspätete, da er im Stau feststeckte, gab den Tipp, sich per Einwand einzumischen.

Die Situation in Budberg stand nur kurz zur Debatte, doch Ortsvorsteher Klemens Becker erneuerte seine beiden Forderungen: Entweder solle für den Ort ein aktiver Lärmschutz in Form eines Lärmschutzwalls errichtet werden oder alle Einwohner sollen gleichermaßen mit Finanzierung von passivem Lärmschutz unterstützt werden. Alle Budberger sollten gleich behandelt werden, so Becker.

Seine Forderungen unterstrich er mit 70 bis 80 Unterschriften, die er in Budberg gesammelt hatte. Diese sollen seine Forderungen im Rathaus unterstreichen.


7. Juni 2017

"Schutzbedürftigkeit wird mit Füßen getreten"

Leserbrief zum Autobahnbau sowie zur Streckenführung der A445 bei Hilbeck

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens und der Offenlegung in der Bauabteilung der Stadtverwaltung Werl zur geplanten Streckenführung der A 445 bei Hilbeck möchte ich mich zunächst für die ausgiebige Auskunft bedanken. Zum vorgesehen Planungsgeschehen ist meines Erachtens als Außenstehender vieles in Richtung Menschen-, Umwelt- und Naturschutz nicht nachvollziehbar.

Als Erstes sei gesagt, dass die ursprüngliche Trassenführung, die weiter entfernt von Hilbeck geplant war, nicht mehr verfolgt wird, da der Naturschutz angeblich nicht hinreichend berücksichtigt wurde. Der Grund ist das Strangbachgebiet, wo sich der Greifvogel, die Rohrweihe und der Rotmilan angesiedelt haben. Es sei nicht vertretbar, dieses Gebiet durch die Streckenführung der A 445 zu zerstören.

Die Alternative ist daher, dass die Autobahn viel näher am Wohngebiet Hilbeck geplant ist. Die Folge ist, dass das urwüchsige Lohwäldchen (Allener Straße) gerodet werden muss und ein Schallschutz erstellt werden soll. Hier sei gesagt, der gesunde Menschverstand wird durch die Begründung gewisser Fachleute verworfen, wobei die Kostenfrage und die Lebensverhältnisse sowie das Umfeld der Bewohner nicht berücksichtigt werden.

Ebenso wird bei der Rodung des Wäldchens nicht von der Ausrottung der dort lebenden Tiere oder von Tierschutz gesprochen.

Wenn man das Vorgehen zum Naturschutz verfolgt, scheint mir die Willkür dominierend. Wenn ich den Kahlschlag an den Rückhaltebecken, Straßen und Kreuzungen betrachte, fehlt mir hier jegliches Verständnis, sowie auch für die jetzt wieder in der Feldflur vermehrten Schussapparate, wobei alle 15 Minuten durch dreimaliger Schussabgabe jegliches Getier vertrieben wird.

Es ist heute ein Wunder, wenn man in der Feldflur Tiere oder Vögel zu Gesicht bekommt. Bei allem Verständnis für die Landwirte zum Gemüseanbau, muss hier gesagt werden, dass diese erst in den letzten Jahren aufgestellt wurden und dafür sicherlich auch andere umweltschonende Methoden vorhanden sind.

Wenn wir vorgeben, auf Naturschutz Rücksicht zu nehmen, handeln wir irrelevant und missachten die Einhaltung der Verhältnismäßigkeit. Die Schutzbedürftigkeit für Mensch und Tier wird mit Füßen getreten.

Wilhelm Kobeloer, Werl


20. Mai 2017

Kein Platz für Sorgen und Ängste

Briefe an Schulte-Drüggelte gehen nicht auf betroffene Hilbecker Bevölkerung ein

Bundestagsabgeordneter: Bernhard Schulte-Drüggelte. - Foto: NiggemeierWERL - Zwei Briefe - eine Tendenz: Sowohl der federführende Landesbetrieb Straßenbau NRW als auch das Bundesverkehrsministerium erläutern in einem Schreiben an den heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Bernhard Schulte-Drüggelte den neuen Planungsstand in Sachen Autobahn 445.

Wer erwartet hat, in den Stellungnahmen fänden auch die Sorgen und Ängste der von der Umplanung betroffenen Hilbecker Bevölkerung Berücksichtigung, der sieht sich getäuscht.

Einzig dem Arten- bzw. Vogelschutz gilt die Aufmerksamkeit etwa im Brief von Enak Ferlemann, Bundestagsabgeordneter und Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. Mit der veränderten Linienführung im Bereich Hilbeck "können Eingriffe in wertvolle Lebensräume umgangen und damit dem Vermeidungsgebot in artenschutzrechtlicher Hinsicht entsprochen werden", frohlockt der Staatssekretär.

Das Problem solcher Briefe: Sie gaukeln dem Fragesteller - in diesem Fall Bernhard Schulte-Drüggelte - vor, die Umplanung komme einer Verbesserung gleich. Dass hier Vogelschutz vor Menschenschutz geht, wie in Hilbeck lautstark beklagt wird, bleibt unerwähnt. Schulte-Drüggelte erfährt lediglich, dass Verkehrsminister Dobrindt der Planungsänderung zugestimmt habe.

Intensiviert wird das noch in dem zweiseitigen Brief aus Meschede. Der Landesbetrieb, zuständig für die Trassierung der A 445, lässt den Abgeordneten wissen, aufgrund der "diffizilen Rechtslage und Rechtsprechung" hätten Aspekte "im Hinblick auf ein tragfähiges Baurecht noch vertiefter untersucht" werden müssen. Ergebnis sei eben u.a. die "Verschwenkung der A 445 näher an Hilbeck heran". Klingt bei weitem nicht so dramatisch, wie es in Hilbeck empfunden wird.

Beide Briefe zusammen müssen zwangsläufig bei Bernhard Schulte-Drüggelte den Eindruck erwecken, als hätten da neue Erkenntnisse zu einer korrigierten Trassenführung geführt. Dass die betroffenen Menschen aufheulen vor Wut, bleibt in der behördlichen Korrespondenz unerwähnt.

Fehlende Stellungnahme

Immerhin stellt die Bezirksregierung Arnsberg in Aussicht, "eventuell einen weiteren Erörterungstermin zu den Veränderungen der Planung durchzuführen".

Was auch immer der CDUPolitiker den beiden Briefen entnehmen mag - dass die veränderte Linienführung für massiven Protest vor allem der betroffenen Bewohner sorgt, müsste der Abgeordnete wissen, sollte der Anzeiger zu seiner Pflichtlektüre zählen. Dass Schulte-Drüggelte gleichwohl eine konkrete Stellungnahme abgelehnt hat, sorgt im Raum Hilbeck für Erstaunen, aber auch für Enttäuschung. - di


19. Mai 2017

Schulte-Drüggelte ohne A-445-Position

CDU-Bundestagsabgeordneter überrascht

WERL/BERLIN - Die Bevölkerung des Werler Stadtteils Hilbeck erfreut sich seit Bekanntwerden der korrigierten Pläne für den Weiterbau der A 445 größtmöglicher Solidarität - mit einer überraschenden Ausnahme. Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Schulte-Drüggelte ist trotz wiederholter Bitte um eine Stellungnahme nicht bereit, Position zur neuen Trassierung zu beziehen. Das hat das Büro des Abgeordneten im Anzeiger-Gespräch klargestellt. "Herr Schulte-Drüggelte sieht in einer Erklärung keinen Sinn, weil er damit an der Planung nichts ändern könnte", lautete die erstaunliche Begründung aus der Bundeshauptstadt. Überdies habe der Christdemokrat sich schließlich über den Sachstand des Themas informieren lassen, hieß es ergänzend.

Das ist erstaunlich dürftig. Denn in seinem Schreiben an den Landesbetrieb StraßenbauNRW hatte Schulte-Drüggelte zwar erwähnt, dass "anlässlich des geplanten Weiterbaus der Autobahn A 445 von Werl nach Hamm mein Berliner Abgeordnetenbüro akut zahlreiche Anfragen von Bürgern aus meinem Wahlkreis erreichen".

Als Anlage schickte der CDU-Politiker lediglich einen aktuellen Anzeiger-Bericht mit, "aus dem sich ebenfalls die aufgeworfenen Fragestellungen ergeben". Aus diesem Grund bat Schulte-Drüggelte um "nähere Informationen zum aktuellen Verfahrensstand der A 445". Die dürfte er inzwischen erhalten haben. Anlass, sie zu kommentieren und zu bewerten, sieht der Bundestagsabgeordnete gleichwohl nicht. Das erledigen seit Bekanntwerden der überarbeiteten Pläne, die die Trasse deutlich näher an Hilbeck heranführen, andere für den Politiker. - di

Plan-Auslage

Die Bezirksregierung führt das Planfeststellungsverfahren für den Neubau der Autobahn A 445 zwischen Werl-Nord und Hamm-Rhynern durch. Die Strecke führt auf Werler Gebiet durch die Gemarkungen Budberg, Hilbeck und Sönnern sowie Rhynern, Freiske, Osterflierich und Allen auf Hammer Gebiet. Die Planunterlagen werden vom 22. Mai bis 21. Juni einschließlich in den Städten Hamm und Werl ausliegen.

Jeder betroffene Bürger kann bis spätestens zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist (am 5. Juli) bei der Bezirksregierung Arnsberg oder bei den Städten Hamm oder Werl Einwendungen erheben. Diese erhält der Landesbetrieb Straßen zur Stellungnahme. Sollte im Anschluss ein Erörterungstermin anberaumt werden, wird dieser rechtzeitig bekannt gegeben.